Unsere nächste Probe, meine
sehr verehrten Damen und Herren, zeigt Ihnen einen Wein
aus dem Sonnenjahr 1993. Fürwahr, dies hätte ein
Jahrhundertwein werden können – ja, können,
wenn die Natur auch noch in den letzten Wochen mitgespielt
hätte. Alles war so optimal verlaufen. Ein früher,
einheitlicher Austrieb ab Mitte April, ein Blühverlauf
ab Ende Mai, wie er auf Grund seiner Frühzeitigkeit
und Schnelligkeit in den vergangenen 30 Jahren nicht beobachtet
werden konnte. Eine günstige Sommerwitterung in den
Monaten Juli und August – man stellte bereits Vergleiche
mit dem Jahrhundertwein 1959 an! Doch dann Regen, Regen
und abermals Regen in den Monaten September und Oktober.
Die weitere Reife stagnierte, und Fäulnis setzte ein.
Man mußte früh lesen – so früh wie
selten.
Doch wenn auch die Mostgewichte in
dieser Regenzeit kaum noch stiegen, so zeigten die Moste
und späteren Jungweine die Aromen-, Bukett- und Extraktfülle,
die sich unter den optimalen Vegetations- und Assimilationsbedingungen
des Zeitraumes Juni bis Anfang September hatte bilden können.
Und diesen herrlichen Aroma- und
Bukettreichtum zeigt auch unsere Probe im Glase. Ausgereifte
"Weinigkeit", gehaltvolle Würze – ein
Weinkenner sagt hierzu: "Bei einem solchen Schluck
hat man das Maul voll Wein!"