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Die Weinjahrgänge

Jedes einzelne der 13 deutschen Weinbaugebiete wird dargestellt.

   

Der 1998er in der Pfalz

Nach einem Jahr der Klagen über das Wetter hatte der Herbst alles Positive in die Traubenbeeren konzentriert, so dass wir nach Abschluß der Lese, ähnlich wie 1996, sagen konnten: Ende gut – alles gut. Die Vegetationszeit begann mit einem sehr nassen April, auf den ein allgemein bewölkter, kühler Sommer folgte. Die Rebkrankheiten Peronospora und vor allem Oidium zeigten besonders am Haardtrand, dass sie nicht ausgestorben sind. Erst Ende Juli bis Mitte August kam ein Ausgleich von sehr heißen Tagen mit Temperaturen bis 37° C bei niedriger Luftfeuchte. Im Traubenbereich wurden bis 50° C und an den Beeren über 40° C gemessen. Diese Extreme führten an exponierten Trauben zu Sonnenbrand, der bis zum Eintrocknen der noch unreifen Trauben gehen konnte. Vor allem auf leichteren Böden standen die Reben unter so erheblichem Trockenstress, dass pflanzeneigene Temperaturregelungsmechanismen ausfielen. Verstärkter Zikadenbefall machte die Trockenschäden noch augenscheinlicher. Auf gute Blüteergebnisse im Juni zurückzuführende überdurchschnittliche Ertragserwartungen sanken von Woche zu Woche bis unter den Durchschnittsertrag. Aber Regen und kühle Witterung ab Mitte August förderten nach der Trockenperiode das Beerenwachstum. Durch kühle Witterung blieben die Trauben gesund. Weinberge auf kräftigen Böden ließen nun einen überdurchschnittlichen Ertrag erwarten, während sich in Trockenlagen die Erwartungen höchstens auf einen Normalertrag einpegelten.

Der Reifeverlauf 1998 nach Mostgewichtszunahme und Säureabbau ist am ehesten mit dem Jahrgang 1994 zu vergleichen. Interessant ist, dass die späten Sorten wie Riesling und Spätburgunder die Niederschläge im August noch am besten verwerten konnten. Sie brachten schon bald nach Reifebeginn höhere Mostgewichte als die an sich früher reifenden Sorten Müller-Thurgau, Portugieser und teilweise auch Dornfelder. Hier standen die Reifegrade in engster Beziehung zur Höhe des Ertrags. Dagegen lagen die Mostgewichte bei Riesling und Spätburgunder Mitte Oktober allgemein um 90° Oe bei 10‰ Säure. Insgesamt bewegte sich, nach vier Jahren unterdurchschnittlicher Ernten, das Jahr 1998 mit 2.6 Mio. hl über dem langjährigen Durchschnitt. Sicherlich war aber der Mehrertrag nicht so hoch, dass er die Notverkäufe einzelner Winzer – die nicht über ausreichende Lagermöglichkeiten verfügten – gerechtfertigt hätte; so jedoch löste dies einen rapiden Preisrückgang aus. Insgesamt hatte der Herbst die Fässer derart gefüllt, dass man als Basis von einem stabilen Schoppenweinangebot ausgehen konnte. Darüber hinaus wurden überdurchschnittliche Qualitäten bei den roten Sorten mit guter Farbausbeute eingelagert. Besonders bemerkenswert aber sind die hochreifen Rieslingweine dieses Jahrgangs.

Man kann in der Pfalz beim 1998er zweifellos von einem überdurchschnittlich guten Weinjahrgang sprechen, zumal in der dritten November-Dekade durch starken Frost, bei Tiefsttemperaturen unter minus 10° C, noch einige edle Eisweine, mit Mostgewichten bis über 200° Oe, geerntet wurden. Wie oft im Leben muss man den Worten der früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl beipflichten: „Entscheidend ist, was am Ende herauskommt!“

Der Beschreibung liegt ein Bericht von Dr. Fritz Schumann, SLFA Neustadt, in der Zeitschrift DAS DEUTSCHE WEINMAGAZIN 23/98 zu Grunde.