Die Weine des 19. Jahrhunderts
1806
Der erste milde Winter nach vier Jahren. Es folgte ein wunderschöner
Frühling, der die Rebblüte "schon vor Johanni"
(24. Juni) möglich machte. Zwar gab es in den Sommermonaten
einige starke partielle Hagelschläge, deren Schäden
jedoch sehr begrenzt blieben. Ein schöner Spätsommer
gewährleistete eine ausgezeichnete Reife der Trauben. Die
Erntemenge war allerdings so groß, daß man zwar eine
hohe – jedoch keine Spitzenqualität erzielte. Aufgrund
der geringen Vorjahresernte konnte der 1806er zu extrem hohen
Preisen abgesetzt werden.
1811
Dieses Jahr geht als Kometenjahr in die Geschichte des Weinbaues
ein. Die Blüh- und Vegetationsbedingungen waren unvergleichlich.
Nach einem harten, eisigen Winter setzte ein bezaubernd schönes,
mildes Frühjahr ein. Ein gelinder März, ein warmer April
und ein heißer Mai ließen die Trauben schon Ende Mai
zur Blüte kommen. Im Juni, Juli und August herrschte eine
solche Hitze, daß viele Trauben einen Sonnenbrand bekamen.
Zwar richteten einige starke Sommergewitter in den Weinbergen
Schäden an, der Erntesegen war jedoch so groß, daß
diese Einbußen leicht verschmerzt werden konnten. Selbst
die Monate September und Oktober waren noch so heiß, daß
– wie die Chronik berichtet – "die Leser Schuhe,
Strümpfe und andere Kleidungsstücke ablegten."
Ein schwerer süßer Wein mit allen Finessen reifte in
den Kellern und prägte das Weinjahr 1811 zu einem Jahrhundertjahrgang.
1882
Das Weinjahr 1882 brachte nach denkbar günstigen Aussichten
im Frühjahr eine Mißernte sowohl nach Menge als auch
in der Güte. Der Winter 1881/82 war ziemlich mild, und das
ausgereifte Rebholz erlitt keine Frostschäden. Der März
war trocken und warm, die Monate April und Mai aber brachten Spätfröste
mit erheblichen Frostschäden, bei sonst meist warmem und
sonnigem Wetter. Mit Beginn des Juni setzte eine Regenperiode
ein, die sieben Monate bis zum Ende des Jahres anhielt. Die Traubenblüte
nahm einen späten, unregelmäßigen und ungünstigen
Verlauf. Starkes Durchrieseln minderte von vornherein den Ertrag.
Große Wasserschäden, Überschwemmungen, unmäßig
andauernde Nässe, niedrige Temperaturen, langsame Entwicklung,
schlechte Reife der Trauben, deren Ertrag durch Krankheiten und
Rohfäule dezimiert wurde, kennzeichnen den Verlauf des Weinjahres.
Man erntete einen harten, sauren, kleinen Wein von sehr geringer
Güte mit niedrigen Mostgewichten und hoher Säure. Der
Mengenertrag brachte im Reichsdurchschnitt mit 15,9 hl/ha nur
eine drittel Ernte.
Die Weine des 20. Jahrhunderts
1916
Auf das Qualitätsjahr 1915 folgte für den deutschen
Weinbau leider ein Weinjahr, das wenig Freude brachte und nach
der Menge und Güte seiner Weinernte zu den Mißjahren
zählt. Schlechter Blüteverlauf, naßkalte Sommerwitterung,
Rebschädlinge, Krankheiten und Frühfröste machten
das Weinjahr 1916 zu einem weinbaulichen Fehljahr. Der milde Winter
1915/16 brachte keine Frostschäden und das Rebholz war gut
ausgereift. Die kühle, nasse Aprilwitterung hielt die Vegetation
zurück. Doch der sommerliche Mai förderte einen raschen
Austrieb, aber der kühle und regnerische Juni brachte ein
schlechtes Blütewetter. Die Blüte, die erst am 20. Juni
begann, nahm einen langsamen, unregelmäßigen Verlauf.
Die Gescheine rieselten stark durch und zeigten nach der Blüte
vielfach nur einen geringen Fruchtansatz. In den nassen Sommermonaten
Juli und August wurde der Auswuchs der Trauben stark verzögert,
und die unbeständige feuchte Witterung verhinderte in der
ersten Septemberhälfte eine rechtzeitige und ausreichende
Reifeentwicklung. Der Oktober bescherte zwar in den ersten drei
Wochen schönes Herbstwetter und konnte somit die Reife noch
gut fördern, aber die Vollreife nicht mehr überall erreichen.
Die am 21. und 22. Oktober einsetzenden Nachtfröste
mit Temperaturen bis minus 3,5° Celsius verhinderte durch
die Zerstörung des Laubes eine weitere Reifeentwicklung.
Auch die unreifen Trauben erlitten Frostschäden und zeigten
später im Wein einen typischen Frostgeschmack. Durch diese
Fröste wurde der Ertrag noch einmal nach Menge und Güte
gemindert. Deutschland erntete mit 11,7 hl/ha im Durchschnitt
einen schwachen Viertelherbst von mittlerer bis geringer Güte.
Ein großer Teil der geernteten Weine mußte verbessert
werden.